montgelasbauforschung






Bauforschung:


Gotthard von Montgelas





zurück zum Index





Bauforschung 1 : Handaufmaß und Handzeichnung :







Wie auf der privaten Website »montgelasbauforschung.de« bemerkt werden kann ist das hauptsächlich verwendete Werkzeug zur Wahrnehmung und Darstellung der Architektur die Handzeichnung und das Handaufmaß. In der Historischen Bauforschung gibt es eine ganze Reihe wissenschaftlicher Methoden und Ansätze. Eine dieser Methoden ist das Handaufmaß und die freie Handzeichnung. Für mich als professionellen Architekturzeichner ist die handgezeichnete Bauaufnahme und Architekturskizze das bevorzugte Handwerkszeug zur Betrachtung und Darstellung der Architektur. Seit 1988 vermesse und zeichne ich freiberuflich historische Architektur im deutschsprachigen Raum. Das Handaufmaß ist für mich die aufwendigste und anspruchsvollste Methode in der Architekturaufnahme und Architekturdarstellung. Der Zeitaufwand zur Herstellung der Pläne ist entsprechend hoch. Daneben ist ein ausgebildetes und trainiertes Können auf dem Gebiet der Zeichnung notwendig wenn man auch anspruchsvolle Architekturdetails, wie etwa ein korinthisches Kapitell oder eine Skulptur in einer Zeichnung darstellen will. Selbstverständlich ist es nicht immer notwendig mit dem hohen Aufwand des Handaufmaßes jedes nur erdenkliche Bauwerk aufzunehmen. Diese Praxis ist zu recht kritisiert worden. Oft sind maschinengestützte Bauaufnahmen der richtige Weg in Denkmalpflege und Bauausführung um zu guten Plänen zu kommen. Bei anspruchsvollen Projekten der Historischen Bauforschung und der Architektur ist die Handzeichnung und das Handaufmaß jedoch eine wissenschaftlich anspruchsvolle Methode die zu nachprüfbaren Ergebnissen und erweiterten Fragestellungen führt. Das ist sowenig in Frage zu stellen wie etwa kunsthistorische, historische, gesellschaftskritische, soziologische oder naturwissenschaftliche Forschungsansätze in der historischen Bauforschung.

Als entscheidend für die handgezeichnete Bauaufnahme, Skizze und Architekturdarstellung ist die gründliche Wahrnehmung des Vorgefundenen zu werten, die in der genauen und langwierigen Handzeichnung eines Architektur- oder Kunstwerkes erreicht wird und die zur Formulierung von komplexeren Fragestellungen, etwa zu gestaltplastischen Wahrnehmungen wie an der Kollegienkirchein Salzburg oder am mittelalterlichen Bohlensaal in Regensburg, notwendig und sinnvoll sind. Dies ist von der Kritik oft bestritten worden. In meiner Auffassung der Architektur und der Baugeschichte lege ich jedoch auf die Methode der Architekturbetrachtung mit Hilfe selbstangefertigter und anspruchsvoller Zeichnungen den Schwerpunkt meiner Tätigkeit. Selbstverständlich werden von mir andere wissenschaftliche Methoden, Denkansätze und Vorgehensweisen nicht als überflüssig erachtet genausowenig wie ich der Ansicht bin die Historische Bauforschung könnte auf die Handzeichnung und das Handaufmaß reduziert werden. In meinen privat durchgeführten Untersuchungen zur Architektur entscheide ich mich als professioneller Architekturzeichner für die Methode des Handzeichnens und der Handvermessung. Der Vorteil dieser Vorgehensweise ist die Kombination von historischer Bauanalyse ( also Historischer Bauforschung ) und der weitergehenden Untersuchung des Vorgefundenen im räumlichen Vorstellungsvermögen.

Es geht hier also nicht alleine um die Produktion von Abbildern, da wären die modernen digitalen Aufnahmeverfahren in einigen Fällen überlegen, sondern um die Wahrnehmung historischer und gestaltplastischer Strukturen und die Formulierung von Fragestellungen dazu. Dies wird nicht von Maschinen geleistet sondern von der entwickelten Wahrnehmungsfähigkeit des Individuums. Die auf der Website »montgelasbauforschung.de« dargestellten Ergebnisse und Formulierungen von Fragestellungen an dem mittelalterlichen Bohlensaal im Runtingerhaus in Regensburg oder an der Kollegienkirche Fischer von Erlachs in Salzburg wurden neben der historischen Betrachtung hauptsächlich mittels Handaufmaß und Handzeichnung ( und damit einerseits in der historischen Analyse und dann auch im räumlichen Vorstellungsvermögen ) wahrgenommen, formuliert, dargestellt und veröffentlicht. Wie eine Wissenschaft der Historischen Bauforschung diese architektonischen Projekte ohne die Durchdringung im aufwendigen Handaufmaß und der Handskizze bewältigen will bleibt offen. Die rein utilitaristische Auffassung der Bauaufnahme als eines blossen Werkzeuges zur Produktion von Abbildungen verkennt den Stellenwert der Handzeichnung als Analyse des historischen Zustandes und gleichzeitig als Trainingswerkzeug und Ausdrucksmittel des räumlichen Vorstellungsvermögens. Die Handzeichnung hat sich als scheinbar inkompatibel zum technisch-ökonomischen Fortschritt erwiesen.

Für mich ist die Kombination von anspruchsvollen Handskizzen, Handvermessungen und dem Einsatz neuester digitaler Techniken eine überzeugender Methode. Als Beispiel führe ich meine Veröffentlichungen zur Architekturgeschichte auf der Website »www.montgelasbauforschung.de« an. Die Anfertigung aufwendigster Handzeichnungen und Handaufmaße und die Verwendung der sich gerade entfaltenden digitalen Medien steht in keinem wirklichen Gegensatz zueinander. Sie ergänzen sich vielmehr.






zurück zum Index

Bauforschung 2 : Zeichnen und Messen







Um eine vorgefundene plastische Situation oder Gegebenheit der Architektur zu überliefern ist die Anfertigung von selbstgezeichneten, maßstäblichen und genauesten Grundrißzeichnungen, Schnitten, orthogonalen Ansichten, konstruierten Perspektiven und Raumskizzen eine ausgezeichnete Methode. Die handgezeichnete Bauaufnahme ist neben dem Bauen selbst die intensivstmögliche direkte Begegnung mit vorgefundener Architektur. Aus diesem Grunde lehne ich auch das digitale Aufmaß in meinen anspruchsvollsten Untersuchungen ab. Unter dem »Vorgefundenen« verstehe ich das von bereits vergangenen Menschengenerationen Geschaffene und Veränderte. Die Anfertigung der Handaufmaßzeichnungen führt zu einem vertieften Verständnis des so dargestellten Objektes. Wo dieses vertiefte Verständnis weder gewünscht noch gefordert ist soll auf das sehr aufwendige und arbeitsintensive Handaufmaß verzichtet werden. Insbesonders für ein tieferes Verständnis der plastischen Gestaltkräfte der Architektur sind aber die eigenhändig ausgeführte Zeichnung und das Handaufmaß die unverzichtbaren Werkzeuge. Auf der Website »www.montgelasbauforschung.de« stelle ich die mit dem Werkzeugen der Handzeichnung und des Handaufmaßes von mir durchgeführten Untersuchungen und daraus formulierten Fragestellungen zur Architektur vor. In den folgenden Texten zur Bauforschung formuliere ich aus der Perspektive eines freiberuflichen Bauforschers Grunddispositionen meiner Tätigkeit.

Der Arbeitsbereich der zeichnerischen Darstellung in der Historischen Bauforschung läßt sich in zwei Bereiche teilen:

1. Die genaue Darstellung des Vorgefundenen. Das Handaufmaß und die Handzeichnung ist die anspruchvollste Methode der Annäherung und Durchdringung des Vorgefundenen. Zeichnen bedeutet hier nicht nur eine Abbildung herzustellen, sondern das Vorgefundene in seinem gegenwärtigen historischen Bestand bewußt wahrzunehmen und zu differenzieren. Dazu sind die technisch weiterentwickelten Aufmaßmethoden nur bedingt geeignet. Sie nehmen die mühsame Anfertigung der Handzeichnung zwar ab verhindern dadurch aber eine bewußte Wahrnehmung und Durchdringung des Vorgefundenen. Die Idee der Kosten - und Zeitersparnis der technischen Aufmaß- und Zeichenmethoden ist aus der Denkmalpflege und der Baudurchführung heraus entstanden, in der die Anfertigung von Darstellungen des Vorgefundenen andere Aufgaben haben. In der Denkmalpflege geht es um den Eingriff in die historische Substanz und um die Steuerung der Veränderung des Vorgefundenen. Es ist also nur sinnvoll hier andere Maßstäbe an die Anfertigung von Aufmaßdarstellungen anzulegen. Diese anderen Anforderungen der Denkmalpflege können nicht auf die Historische Bauforschung übertragen werden. Die Historische Bauforschung ist nicht zielgerichtet auf die Veränderung und Manipulation des Vorgefundenen ausgerichtet und davon abhängig. In der Historischen Bauforschung geht es um die Wahrnehmung und Dokumentation des Vorgefundenen und die daraus abgeleiteten Formulierungen von Fragestellungen zur historischen Architektur.

2.Aufbauend auf der bewußten Durchdringung des Vorgefundenen in der Historischen Bauforschung die Wahrnehmung gestaltplastischer Kräfte in der historischen Architektur und die Formulierung von Fragestellungen und Analysen hierzu:

In der Anfertigung handgezeichneter, hochgenauer, detailiert ausgearbeiteter, aufwendiger und langwieriger Planzeichnungen, konstruierter Perspektiven und Skizzen wird ein Verständnis der Plastizität der historischen Architektur erlangt, das auf anderem Wege nicht erreichbar ist ( ein gutes Beispiel sind meine Forschungen am Bohlensaal im Runtingerhaus in Regensburg und an der Kollegienkirche in Salzburg). Die räumliche Wahrnehmung erfolgt in der Anfertigung der maßstäblichen Handzeichnungen, Aufmaße und Skizzen. In der Anfertigung der maßstäblichen Zeichnungen wird im Zusammenwirken der Augenwahrnehmung und der Zeichenarmbewegung das räumlich Vorgefundene als Plastisch - Vorgestelltes im Gehirn, und zwar im räumlichen Vorstellungsvermögen, langsam aufgebaut und verankert. Den Variablen im räumlichen Vorstellungsapparat des Gehirnes wird erst durch die langsame Verankerung und Festigung des Gezeichneten der Umgang bzw. die Variierung des Vorgestellten möglich. Die Verankerung des Plastischen in Bereichen des Gehirnes ( wo und wie wäre eine Frage der Gehirnphysiologie ) ist abhängig von mehereren Parametern. Aus den im räumlichen Vorstellungvermögen des Gehirnes ablaufenden Variierungen des Verankerten werden die als mögliche Lösungsvorschläge und Fragestellungen in Frage kommenden Varianten an das Bewußtsein weitergegeben. Klar ist hierbei, daß das intensive Training des räumlichen Vorstellungsvermögens des Gehirns die grundsätzliche Vorraussetzung ist. Weiter sind die bisher als Raumvariablen im Raumgedächtnis verankerten vorhergehenden Raumwahrnehmungen und ihre Intensität zu berücksichtigen. In Falle meiner Problemformulierungen zur Kollegienkirche Fischer von Erlachs spielen die Handaufmaße ( = räumlich-plastische Verankerungen ) vorhergehender Projekte als räumliche Erfahrung die mitentscheidende Rolle. ( St.Ramwold in Regensburg, der gotische Hochaltar von St.Jakob in Nürnberg etc. siehe »Projekte - Daten« im Index )

Die Intensität der Wahrnehmung des »Vorgefundenen« ist direkt von dem subjektiven, aus den eigenen Erfahrungen, Wünschen, Träumen , Begegnungen und Triebkräften erwachsenden emotionalen Interesse abhängig. Dadurch ist die ganze subjektive einzelne Existenz eines Menschen in ihrer unabsehbaren Verwobenheit als Parameter mit der Intensität der Wahrnehmung des Vorgefundenen verbunden. Das emotionale Interesse am Vorgefundenen also, von dem in direkterweise die Intensität der im Unbewußten sich abspielenden Variierungen ( hier des Räumlich-Plastischen ) abhängen, steuert den Wahrnehmungsprozeß mit. Dies deckt sich auch mit den neuesten Überlegungen und Theorien der Gestaltwahrnehmungsprozesse im Unbewußten.

Aus den oben vorgestellten Gedanken zum Handaufmaß und zur Wahrnehmung in der Bauforschung an anspruchsvollen Projekten wird deutlich, daß in einigen Fällen, also an vorgefundenen bedeutenden Bau- und Architekturwerken, einige Fragestellungen nicht anders formuliert werden können als durch die Ausführung aufwendigster und langwierigster Handzeichnungen und Handaufmaße. Nur so läßt sich ein Zugang in einige anspruchsvolle und sonst unbetretbare Formungen des Plastisch - Räumlichen bahnen. Die von mir praktizierte Vorgehensweise in der historischen Bauforschung verlangt die Anfertigung genauester und aufwendigster Handzeichnungen vom Wissenschaftler selbst. Diese Annäherung an das Vorgefundene in der Zeichnung kann weder an Maschinen noch an Mitarbeiter delegiert werden. Die Erfahrungen an bedeutenden Werken der Architektur hat dies überzeugend bestätigt. Daß die Anfertigung anspruchsvoller Architekturhandzeichnungen unterbleibt hat viele Gründe. Dies ändert nichts an der Grundtatsache der Notwendigkeit der Ausführung aufwendiger Zeichnungen bei anspruchsvolleren Projekten der Bauforschung und Architekturbetrachtung im räumlichen Vorstellungsvermögen. Die Qualität und Intensität der Plandarstellung ist für mich daher ein entscheidendes Kriterium in der Beurteilung von Projekten der Historischen Bauforschung und komplexerer räumlicher Architekturanalysen. Neben den Methoden und Vorgehensweisen der Geschichtswissenschaft, Kunstgeschichte und Naturwissenschaft ist die Betrachtung der Architektur und Plastik in der handgezeichneten Bauaufnahme und Zeichnung eine Forschungsansatz der zu nachprüfbaren und rational darstellbaren Ergebnissen und neuen Fragestellungen führen kann. Für die Untersuchung, Wahrnehmung und die Formulierung von weiterentwickwelten Fragestellungen zu plastischen Aussagen der Architektur ist die Handzeichnung aber ein unabdingbares Grundlagenwerkzeug. Die Fragestellungen zu den mittelalterlichen Bohlensälen Regensburgs oder der Kollegienkirche Fischer von Erlachs in Salzburg wurden mit Hilfe dieser Methode formuliert. Weder die Kunstwissenschaft noch die Geschichtswissenschaft verfügen über ein Werkzeug, welches die Formulierung raumplastischer Fragen in dieser Weise ermöglicht.



zurück zum Index















zurück zum Index