montgelasbauforschung





Dialog II :


Gotthard Graf von Montgelas und Johann Fischer von Erlach





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Tafel 36.6.c, Tafel 36.5.b, Tafel 36.5.c, Tafel 36.5.d






Johann Fischer von Erlach :

Unsere Unterhaltung war bisher auf den Stoff und seine Metamorphosen an


dem Bauwerk der Kollegienkirche gerichtet. Hier wäre noch Mehreres zu erläutern. Was hier noch zurechtzurücken ist und von ihnen noch klarer dargestellt werden sollte können wir später erörtern. Wir wollen nun noch weiter ausgreifen und einen Teil der Gesamtschau des Gebäudes beginnen. Wir beschränken uns nocheinmal auf die Formungen des Südchores. Gehen nochmals von hier aus. Hier ist ja noch manches unklar und von uns nicht in Worte gefaßt.




Gotthard von Montgelas :

Die Wirkung der plastischen Formen auf unseren Geist, unsere Seele und


unseren Körper und die Darlegung dieser Wirkungen in rationalen Gedanken ist durchaus verschieden. Hier im Südchor reichen die plastischen Formungen so in die Ferne, daß das Sprechen hierüber mir auf einen schmalen Grat zu führen scheint. Mein Leitfaden sind die von Ihnen geführten plastischen Formungen und die dann in meinem Geist daraus hervorgehenden Bilder und Wahrnehmungen. Sie versuche ich in Gedanken zu formulieren.




Johann Fischer von Erlach :

Vorteilhaft ist es hier über konkrete Gestaltungen zu sprechen die jederzeit


nachvollzogen werden können. Die Kollegienkirche steht ja vor uns und ist kein rein geistiges Gebilde. Es sind konkrete Vorkommnisse die unseren Gedanken zugrunde liegen. Hier wollen wir uns gewisser werden über die Südung des Gebäudes, also die Ausrichtung des Chores nach Süden. Dies scheint mir ein fruchtbarer Anfang zu sein um wesentliche Aspekte der Gestaltungen des Südchores darzulegen und einen Einblick in die Gestalt des ganzen Baues zu erhalten.




Gotthard von Montgelas :

Nun, über die Südung dieses Gebäudes wurde schon viel gesprochen und


gedacht, auch viel Unsinniges. Für mich war diese Südung anfangs nicht so bedeutend da ich erst mit den plastischen Gedanken des Südchores befaßt war und meine Aufgabe darin sah diese plastischen Vorkommnisse in orthogonalen Grundrissen und Ansichten darzustellen und damit im Denken zu durchdringen. Diese Aufgabe erforderte meine ganze Aufmerksamkeit. Erst später, als mich die Formungen der beiden Säulen im Südchor in Atem hielten, begann ich die Südung des Gebäudes als bedeutend für mich zu erkennen. Daß die beiden Säulen, der Hochaltar und die Südausrichtung der Kollegienkirche einen Zusammenklang bilden war mir nicht sogleich klar sondern es dauerte bis ich Ihre Gedanken in den plastischen Formungen erkennen konnte. Ich schlage vor unsere Gedanken vom Hochaltar ausgehen zu lassen, denn in den Gedanken die hier in plastischer Form niedergelegt sind ist der Ausgangsort der Strahlkraft dieses archiektonischen Werkes .




Johann Fischer von Erlach :

Die zahlreichen und sehr intensiven Zeichnungen, welche sie vom Hochaltar


der Kollegienkirche angefertigt haben zeigen auf eindringliche und deutliche Weise die Grundkonstellation der hier wirkenden plastischen Kräfte.




Gotthard von Montgelas :

Der Grundrißplan des Hochaltares zeigt an, daß die Entwicklung der


plastischen Formen von zwei verschiedenen Kreisen ausgeht. Einmal ist es hier der äussere Kreis, der die Rundung des Sockels seitlich und der beiden Kreissegmente festlegt und die Mensaplatte des Altares begrenzt. In ihm eingeschlossen liegt ein zweiter , kleinerer nach Süden verschobener Kreis. Er formt den Sockel im Süden und dann bildet sein Mittelpunkt die Mittelachse des Rundtempels, der zwischen den zwei Segmenten des äusseren Kreises steht. Man kann zusammenfassend sagen, daß in einem größeren Kreis ein kleinerer Kreis etwas exzentrisch nach Süden verschoben eingeschrieben ist.




Johann Fischer von Erlach :

Nun, ihre Pläne zeigen diese plastische Gegebenheit ja deutlich an. Auch


vor Ort hier in der Kollegienkirche wird bei aufmerksamer Umschreitung diese Eigenart doch leicht deutlich und nachvollziehbar. Die zwei Kreise in ihrer zueinender exzentrischen Beziehung zu betrachten führt hier auf den richtigen Weg. Ihre Plänen lassen dies klar zu erkennen, sie sind eine Hilfe für den Betrachter. Doch fahren sie fort.




Gotthard von Montgelas :

Zu genau bildet das Verhältnis der beiden zueinender exzentrisch in


Beziehung stehenden Kreise des Hochaltares die Darstellung des Himmelskreises und des in ihm eingeschlossenen Kreises des Zodiakos ab. Die Bahn der Sonne die im Verlauf eines Jahres merkten sich die Gelehrten des Altertumes mit Hilfe der hinter dieser Bahn liegenden Sternbilder. Man hat diese Fixsterne zu zwölf Sternzeichen zusammengefasst: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann, Fische. Das ist der Zodiakus. Er bildet am Himmel einen breiten Streifen der den Weg der Sonne im Verlauf eines Jahres bezeichnet. Dieser kreisförmige Weg durch die Sternbilder, Zodiacos genannt, hat nicht den gleichen Mittelpunk wie die Kreisdrehung des Himmels sondern bildet einen zweiten Kreis, dessen Mittelpunkt exzentrisch verschoben zu dem Mittelpunkt der Himmelsdrehung liegt. Das Verhältnis dieser beiden verschiedenen Himmelsbewegungen ist im Grundriß des Hochaltares der Kollegienkirche genauestens getroffen und liegt so auch jeder modernen zweidimensionalen Darstellung des Himmelsgewölbes zugrunde. Es handelt sich um die Darstellung und Feststellung kosmischer Gegebenheiten. Die Ekliptik ist eine Eigenschaft des von uns beobachteten Himmels. Das ist leicht nachzuprüfen wenn man Interesse für die Grundlagen der Astronomie hat.




Johann Fischer von Erlach :

Die zwölf Achsen des Tempietos, dessen Mittelpunkt den kleineren


exzentrischen Kreis angibt, entsprechen daher den zwölf Sternzeichen des Zodiakos. Ich kann auch sagen: den zwölf Monaten des Jahreslaufes. Wie sie richtig ausführen folgt die Formung des Hochaltares den am Himmel zu beobachtenden Tatsachen wie sie auch schon von den Gelehrten im Altertum beobachtet und dargestellt wurden. Es ist hier zwischen der Darstellung kosmischer Gegebenheiten und astrologischen Spekulationen zu unterscheiden.




Gotthard von Montgelas :

Aus dem bisher Dargelegten folgt weiter , daß der größere äussere Kreis


des Hochaltargrundrisses das Bild des Himmelsgewölbes mit dem Polarstern als Mittelpunkt in der Sprache der Architektur als ein Bild uns vorführt. Entscheident ist die exzentrische Lage des kleineren, inneren Kreises zum äusseren Kreis. In dieser Festlegung der Grundkonstruktion des Hochaltares der Kollegienkirche ist eine der kosmischen Grundlagen bildlich geworden und der Ausgangsort des Entwurfes. Es ist die Darstellung der zwei voneinander zu unterscheidenden Bewegungen am Himmel.




Johann Fischer von Erlach :

Nocheinmal auf der Symetrieachse dieser beiden Kreismittelpunkte nach


Norden verschoben ist in der Mensaplatte des Hochaltares der Brennpunkt der Ellipse der Südchorarchitektur durch eine kreisförmige Vertiefung festgelegt. Die ganze Architektur des Südchores geht also von diesem Ort aus. Wie sie zeigen ist in der Kollossalordnung des Südchores bereits die Architektur der vier Traveén des Gebäudes in transformierter Formung bereits vorhanden. Von hier aus entfaltet sich die Architktur des ganzen Gebäudes. Die vier Traveén des Hauptschiffes sind eine Transformation des Südchores. Sie haben ihren Ursprung im Südchor.




Gotthard von Montgelas :

Zu erkennen, daß in diesem dritten Mittelpunkt am Hochaltar die Unwucht


des gesammten Gebäudes in einem Brennpunkt sich konzentriert ist ein ausserordentliches Erlebnis für mich als Betrachter der plastischen Gestaltkräfte. Notwendig ist dazu sich die von mir dargelegten plastischen Gestaltungen wie in der Erstellung der Zeichnung zu erkennen und nachzuvollziehen. Die hier wirkenden gewaltigen Kräfte erzeugen eine bis in den Körper hinein spürbare und hörbare Spannung und Bewegung. Die hier wahrzunehmenden Kräfte wirken also nicht nur auf die plastischen Vorstellungskräfte im Geist. Sehr empfehlenswert ist es sich diesen Kräften selbst einmal auszusetzen und meine Aussagen selbst zu prüfen.




Johann Fischer von Erlach :

Wir haben noch nicht über die Südausrichtung des ganzen Gebäudes der


Kollegienkirche gesprochen. Nun, aus dem bisher Besprochenen wird ja deutlich, daß der Hochaltar selbst in seiner Grundkonstelation nach kosmischen Vorgaben, den unterschiedlichen Himmelsbewegungen, geformt ist. Genauso verhält es sich mit der Ausrichtung des ganzen Gebäudes nach Süden hin. Vielleicht gelingt es ihnen auch dies in rational nachvollziehbare und vor Ort überprüfbare Gedanken zu transformieren.




Gotthard von Montgelas :

Im Jahr 2003 war ja ein Teilbereich des Südchores in voller Höhe


eingerüstet. Sowohl zur Anfertigung der Detailzeichnungen am Südchorfenster als auch zur Bauaufnahme eines der herrlichen korinthischen Kapitelle im Südchor war mein Aufenthalt längere Zeit auf dem Gerüst dort notwendig. Es ergab sich daher von selbst den Südchor einmal anders, aus einer neuen Perspektive wahrzunehmen: das Fenster der Süchorapside zeigt den Sonnenstand zur Mittagszeit entsprechend den Jahreszeiten verschieden an. Dies bedingt die Ausrichtung des Südchofensters nach Süden. Einfach. Ich selbst konnte während meiner langwierigen Bauaufnahme im Südchor diese selbstverständliche Änderung des Lichteinfalls zur Mittagsstunde oft und ausgiebig beobachten. Das tägliche Auf - und Absteigen des Sonnenlichtes ist Bestandteil der plastischen Formung des Südchores. Genauso die Veränderung des Sonnenstandes zur Mittagszeit im Jahreslauf. Hier verändert sich der Sonnenstand zur Mittagszeit entsprechend: bis zum 21 Juni wird der Lichteinfall mittags durch das Südchorfenster steiler, also kürzer, durch die höhersteigenden Mittagsstand der Sonne bedingt. Nach dem 21. Juni wird der Strahleneinfall durch das Südchorfenster länger wiederum durch den niedersteigenden Sonnenstand zur Mittagszeit während des Jahreslaufes bedingt. Am 21. Dezember erreicht die Sonne den tiefsten Stand entsprechend tiefer und damit länger fällt der Strahl durch das Südchorfenster. Dann steigt die Sonne wiederum und der Lichteinfall durch das Südchorfenster wird bis zum nächsten 21. Juni wieder steiler. Der jahreszeitliche Auf- und Abstieg der Sonnenstandes zur Mittagszeit ist im Südchor der Kollegienkirche Bestandteil der plastischen Gestalt.

Im Altertum wurde das Auf- und Absteigen der Sonne im Jahreslauf als eine sich um eine Achse sich spiralförmig aufwärts windende Schlange dargestellt. In mithräischen Darstellungen windet sich eine Schlange um den Körper des Gottes Aion. Sie stellt dort den spiralförmig auf - und absteigenden Sonnenlauf während des Jahres dar. In manchen Darstellungen befinden sich die Sternzeichen des Zodiakos auf dem Körper dieser Schlange. Dieser spiralförmige Weg der Sonne ist in vielfachen Bildern und Nachrichten dargestellt und kein Geheimnis. Es liegt nichts näher als die den beiden Säulen im Südchor zugeordneten Spindeltreppen in der Kollegienkirche auch als Sinnbild und plastische Verkörperung dieses Sonnenlaufes während des Jahres aufzufassen. Dies ist weniger geheimnisvoll als einleuchtend und durch die Südausrichtung der Kollegienkirche von einprägsamer Klarheit.





Johann Fischer von Erlach :

Aus diesem Beweggrund sind die hinter den Chorsäulen in der Wand


hochsteigenden Sindeltreppen von mir so nahe als nur möglich an die Säulen gerückt. Sie haben diesen Umstand bei der Anfertigung ihrer Zeichnungen ja wahrgenommen. Säulen und Spindeltreppen sind eins. Sie tragen den Chorbogen und sind das Strahlen-Tor in dem der Hochaltar als Bild des Weltalls steht. Die Ausrichtung des ganzen Gebäudes nach Süden bezieht die Lage der Spindeltreppen und Säulen in den kosmischen Zusamenhang ein: die beiden Säulen und Spindeltreppen sind plastisches Bild des Sonnenlaufes im Jahresrythmus. Der jährliche Auf- und Abstieg der Sonne fordert die Ausrichtung des Gebäudes nach Süden. Nur dann fällt das Sonnenlicht ja tatsächlich zur Mittagszeit exakt dem Stand der Sonne im Zodiakos entsprechend steigend oder fallend durch dieses Tor. Plastisches Bild der Architektur und kosmische Wirklichkeit gehen hier ineinander über, vermischen sich, werden eins.




Gotthard von Montgelas :

Dieser leichte, beinahe unbemerkbare, vielleicht träumerische Übergang in


die Spähren sonst unbetretbarer Räume der Vorstellung und Empfindung formen hier meine Vorstellung von Architektur. Die in der Kollegienkirche während der Anfertigung meiner Zeichnungen verbrachten Tage, Wochen und Monate im Dialog mit Ihnen sind mir zu einem erfreulichen Besitz geworden. Was ich zu den herrlichen korinthischen Kapitellen der Kollossalpilaster und der beiden Säulen im Südchor oben Bemerkte gilt genauso für das ganze Bauwerk: es zeigt in dem anschaulichen plastischen Bild der Architektur die sich jährlich erneuernde Fülle auf das Schönste.




Johann Fischer von Erlach :

Kehren wir nochmals zu den beiden Säulen zurück. Hier wurde von uns ja


ganz Bestimmendes noch nicht ausgebreitet. Die beiden Säulen und ihre verborgene Doppelexistenz in den Wandmassen als spindelförmige plastische Körper führen uns ja noch zu weiteren Gedankenkreisen.




Gotthard von Montgelas :

Nun, wir sollten die so bekannten zwei Säulen Jachin und Boas in unsere


Überlegungen mit einbeziehen und die Gedanken zu diesem Säulen noch etwas in die Ferne führen. Ein Gelehrter, der ihre Überlegungen begleitet und uns zu neuen Einsichten führt, ja den beiden Säulen in diesem Gebäude eine weitere feierliche Würde zuspricht, ist der Indienfahrer und Gelehrte Kosmas Indikopleustes. Was er auf seinen weiten Reisen in die orientalischen Gegenden von Gelehrten und Weisen in Erfahrung bringen konnte, ist für die Einsichten in die beiden Säulen von Bedeutung. Lassen wir ihn selbst dazu sprechen.




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Kosmas Indikopleustes :

Gerne trage ich meine Gedanken hier vor da ich weiß daß meine Worte


wohlabgewogen und verständig gehört werden. Im 6. Jahrhundert konnte ich auf meinen Reisen in oft abgelegenen Gegenden des Orients Nachrichten von der Weltschau der Babylonier erfahren. Es gab dort noch Weise, die davon zu Berichten wussten. Nach ihren Erörterungen sahen die Babylonier die Welt als einen riesigen Berg an. Dieser Berg war die damals bekannte Welt. Mit dem Lauf der Sonne, des Mondes, der fünf Planeten befassten sich die babylonischen Gelehrten. Sie fanden, daß die Sonne, der Mond, die fünf Planeten um diesen Erdberg kreisen. Durch diese Bewegung der Sonne um diesen Erdberg wurde Tag und Nacht gestaltet.




Gotthard von Montgelas :

Wie wurde von den babylonischen Weisen und Sterndeutern die unter-


schiedliche Höhe des Sonnenstandes erklärt? Es ist ja für sie deutlich, daß die Höhe der Sonne zur Mittagsstunde sich im Laufe des Jahres verändert. Am 21. Juni steht die Sonne zur Mittagszeit am höchsten Ort ihrer Himmelsbewegung, am 21, Dezember steht sie ja am tiefsten Mittagsort. An den Äquinoktien ist der Sonnenstand genau dazwischen. Also am 21. März und dem 21 September. Was dachten die Babylonier zu diesem Umstand?




Kosmas Indikopleustes :

Nun, die Babylonier erklärten sich diesen Umstand mit einem spiralförmigen


Umlauf der Sonne um diesen Erdberg. Einmal ging diese spiralförmige Sonnenbahn nach Oben, eben bis zum 21. Juni, von hier an schraubte sich die Sonne bis zum 21. Dezember zum tiefsten Stand dieser Kreisbewegung um den Erdberg. Die Äquinoktien lagen genau in der Mitte dieser beiden Himmelsspiralen um den Erdberg. Einfach gesagt: es gibt eine nach Oben gerichtete spiralförmige Bewegung und eine nach Unten gerichtete spiralförmige Bewegung der Sonne um den Erdberg.




Gotthard von Montgelas :

Es ist diese spiralförmige Kreisbewegung der Sonne um den Erdberg also in


zwei einzelne Bewegungen zu unterteilen. Eine nach Oben gerichtete Kreisbewegung und eine nach Unten gerichtete Kreisbewegung. Zwei gegensätzliche Bewegungen also. Diese beiden Spiralen können auch als zwei verschiedene zylinderförmige Volumen gedacht werden. Teilen wir die beiden Bewegungen so bekommen wir ein zylinderförmiges Volumen der aufwärtsgerichteten Kreisbewegung der Sonne und ein zylinderförmiges Volumen der abwärtsgerichteten Kreisbewegung der Sonne. Um diese beiden gegensätzlichen Kreisbewegungen darzustellen sind zwei Zylindervolumen ein geeignetes und eingängiges Bild. Damit haben wir ein einprägsames, weites und gelehrtes Bild der beiden kosmischen Säulen. Ich fasse die beiden Säulen daher als ein altehrwürdiges Kosmosbild der Weisheit eines lange vergangenen Volkes auf. Dank Ihrer Forschungen sind die beiden wohlbekannten und vielinterpretierten Säulen Jachin und Boas recht eigentlich auf diese beiden Himmelssäulen der Babylonier zurück zu führen. Ein würdevolles und schönes Bild. Mit Bestimmtheit kann ich daher auch sagen, daß auf den babylonischen Stufenpyramiden, die Stufenpyramiden sind ein verkleinertes Bild des von der Sonne umkreisten Weltberges, ein Gebäude stand vor dessen Südeingang genau diese beiden Säulen als Sinnbild des Aufbaues des Kosmos standen. Seit dieser Zeit der Babylonier wurden die beiden Säulen Jachin und Boas vielfach benutzt und interpretiert ohne den eigentlichen Ursprung dieses ehrwürdigen kosmischen Bildes zu verstehen. Man verlor den Ursprung dieses eigentlich schönen Bildes der beiden Säulen und füllte die Leere auch mit Aberglaube, magischen, okkulten und esoterischen Denken. Mir ist die Schönheit, Ruhe, Würde und Tiefe dieses Bildes ein beachtlicher Wert, der den Gedankenkreis um die beiden Säulen der Kollegienkirche nochmals eine weitere Dimension und Würde verleiht.




Johann Fischer von Erlach :

Wir kommen an ein Ende und ich danke ihnen beiden für ihre Erörterungen.


Gewiß ist hier noch manches zu bemerken zu den beiden Säulen und dem Bau des Gebäudes. Ich lade den Leser ein die Ruhe und Würde der kosmischen Bezüge selber zu erleben und das Gesagte selbst in der Kollegienkirche nachzuvollziehen und Ehrfurcht vor den überlieferten Bildern zu empfinden. Wie wir sehen gilt es in den Jahrhunderten und Jahrtausenden der Überlieferung Ruhe und eine Heimat zu finden. Die gewaltige Ruhe und Würde des Kosmos findet ihr Bild. Nehmt daran teil und schöpft aus dieser Quelle!





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© Gotthard Graf von Montgelas, 1.12.2010, 15.4.2020 Kollegienkirche, Salzburg

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